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VBW schaffen »Nachtportiere« ab

Man könnte den Eindruck bekommen, dass der Chef der VBW geradezu »Audienzen« gibt. Nach wie vor werden Informationen zu relevanten Daten des Unternehmens verweigert, wie der »Kurier« berichtet:

Geschäftsführer Franz Patay verweigerte lang Auskünfte (etwa über die erfolgte Anmeldung von Kündigungen beim AMS-Frühwarnsystem). Doch am Donnerstag nahm er in einer Pressekonferenz Stellung: Bei den »Sachkosten« hätten zwei Millionen Euro eingespart werden können – indem z. B. das Fremdpersonal reduziert worden sei, u. a. gibt es keine Nachtportiere mehr. Um zwei weitere Millionen wurden die Personalkosten gesenkt: 20 Angestellte haben den Konzern verlassen, auf Nachbesetzungen wird zum Teil verzichtet. Der «aktive Personalabbau« sei damit beendet.
Weitere drei Millionen Euro erspart man sich pro Jahr dadurch, dass man ab dem Sommer die Kammeroper nicht mehr bespielt. Patay spricht von einer »Pausierung«, ohne zu sagen, wann diese enden werde. Er verweigert auch Auskünfte darüber, welche Beträge dem Musical (im Ronacher und Raimund Theater) beziehungsweise der Oper (im MusikTheater an der Wien) zur Verfügung stehen.

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Kurier

Broadway’s long-running plays – Top 10 (Stand 2026)

1 Life With Father (3.224) Premiere 1939; Derniere 1947
2 Tobacco Road (3.182) 1933–1941
3 Harry Potter and the Cursed Child (2.487+) Premiere: 2018
4 Abie’s Irish Rose (2.327) 1922–1927
5 Gemini (1.819) 1977–1981
6 Deathtrap (1.793) 1978–1982
7 Harvey (1.775) 1944–1949
8 Born Yesterday (1.642) 1946–1949
9 Mary, Mary (1.572) 1961–1964
10 The Voice of the Turtle (1.557) 1943–1948

Ticketpreisvergleich West End – Broadway

Die »New York Times« hat sich die Ticketpreise (teuerste Kategorie) für Shows am Broadway und am West End angesehen. Interessanter Vergleich:
2025 zahlte man durchschnittlich 81 Dollar am West End, 129 Dollar am Broadway. Bei einzelnen Shows fällt der Vergleich besonders krass aus:
* »Six« (21.03.26) – London: 113 | New York: 290
* »Paddington«/»Just in Time« (13.03.26) – London: 330 | New York: 975
* »Hamilton« (03.07.26/23.11.25) – London: 365 | New York: 1500
* »Stranger Things« (21.03.26) – London: 367 | New York: 320
* »Wicked« (Mittwochs) – London: ~3x günstiger als in New York
* »The Lion King« (Mittwochs) – London: 98 | New York: 142
* »Hadestown« (Mittwochs) – London: 187 | New York: 277
* »Oh, Mary!« (letzte Woche) – London: 220 | New York: 375
Ein Blick auf die höchsten Ticketpreise am Broadway in letzter Zeit:
»Romeo + Juliet« (Kit Connor, Rachel Zegler): $ 1478.50 (letzte Vorstellungen)
»Othello« (Denzel Washington, Jake Gyllenhaal): $ 897
»Operation Mincemeat« $ 975 (letzte Vorstellungen)
»Just in Time«: $ 1499 (aktuell; letzte Vorstellungen von Jonathan Groff)
Ein Ausreißer ist »Moulin Rouge«, die Traumshow für alle Musicaldarsteller, die immer schon mal Popstars sein wollten oder fast gewesen wären und nun die verwaschenen Versionen von ehemaligen Chartsbangern belten dürfen (bis die Stimme bricht). Und für Sexualstraftäter, die in der Show genau das spielen, wofür sie verurteilt wurden (Boy George). Musicalinfluencer Sweaty Oracle beschreibt die Show aus einem anderen Blickwinkel: »The moral of ›Moulin Rouge‹ being ›don’t be a whore or you’ll get whore disease and die‹ really points to the fact that two straight men wrote it«. Nun, bei dieser Show, die hoffentlich nicht im Theater im Prater laufen wird, liegen die Preise am West End und am Broadway gleichauf. Das Vehikel ist vermutlich abgespielt, auch wenn man mit Castingtricks noch ein paar Dollar rausholen möchte.

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New York Times

VBW & Christoph Buskies: Keycomp oder der langsame Tod des Musicalorchesters

Mit dem Engagement von Christoph Buskies, dem Erfinder von Keycomp, für »Die Schöne und das Biest« liegen die VBW sozusagen voll im Trend. »Financial Review«, 27. März:
Tickets to »The Lion King« in Sydney next month will be about 35 per cent more expensive than during its last run, but the band under the stage will be 35 per cent smaller […]
The story of Simba and friends was soundtracked by 17 musicians the last time Disney Theatrical Group brought its biggest-grossing musical to Sydney’s Capitol Theatre in 2013. Next month, there will be just 11, with two trombonists and four string players missing from the line-up.
Their parts will instead be played by a single keyboardist, using software Disney licensed last decade called Keycomp. It’s essentially a backing track, but one that can be finessed by the musician to keep time with the action on stage and with the rest of the orchestra.
»Keycomp has been around for 15 or so years, but it’s sophisticated enough now where I think producers are going to start using it more and more,« said James Steendam, a violinist who is national president of musicians at media union, MEAA.

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Financial Review

Adam Gwon: »All the World’s a Stage« (2026)

Ein kleiner Ort in einer ländlichen, konservativen Gemeinde in Pennsylvania 1996. Ricky Alleman, ein Mathematiklehrer an der lokalen Highschool, hat ein Faible fürs Theater. Sam, eine seiner Schülerinnen, ist ein Theater-Nerd und mit den restriktiven Gegebenheiten an der Schule nicht zufrieden. Jüngst wurden wieder Bücher aus der Bibliothek entfernt, wegen ihrer »spaltenden Wirkung auf die Community«. Vor allem gibt es keine Möglichkeiten, was ihre Theaterleidenschaft betrifft. Als Sam ihren Mathelehrer bei einer Theateraufführung in einer benachbarten Schule sieht, vermutet sie einen Verbündeten in ihm und bittet ihn, ihr beim Erarbeiten eines Monologs zu helfen. Sie möchte bei einem bundesweiten Bewerb antreten, um ein Stipendium für eine Schauspielausbildung zu bekommen. Rick schlägt ihr Shakespeares »Sonnet 116« (»Let me not to the marriage of true minds«) vor.
So weit eine Fassung des Plots von »All the World’s a Stage«, des neuen Musicals von Adam Gwon, wie sie an Theatern eingesetzt werden kann, die aus ihrer Sicht taktisch klug möglichst viel Publikum ansprechen wollen. Ein paar kleine Details werden ja manchmal gern aus Marketinggründen verschwiegen. Rick, der Lehrer, ist schwul. Sam, die Schülerin, hält nichts von der Idee, Shakespeare zu rezitieren. Sie möchte den »Ozone«-Monolog aus Tony Kushners »Angels in America« bringen. Rick, für den Kushner ein zweiter Shakespeare ist, kann da nicht lange dagegenhalten. Beide haben nicht mit dem Ausmaß an Gegenreaktionen unter anderem des Elternverbands der Schule und der lokalen Kirche gerechnet, als Sam bei einer Schulaufführung tatsächlich Kushner vorträgt. Der Kushner-Monolog wird sogar in der lokalen Zeitung abgedruckt. Es wird bekannt, dass Michael, ein Buchladeninhaber, Sams Freund ist. Aufgrund von Repressalien muss dieser seinen Laden schließen. Von Rick wird die Kündigung erwartet, Sam wird von der lokalen Megachurch ein Job angeboten.
Groomer panic beziehungsweise ein schwuler Lehrer als Protagonist, das war der Ausgangspunkt für Gwon. An der Aktualität hat sich seit 1996 nichts geändert. Tony Kushners »Ozone«-Monolog spielt nicht zum ersten Mal eine Rolle in einem Stück. So gibt es in dem mit insgesamt 34 Preisen ausgezeichneten Film »Still Alice« (2014) eine zentrale Performance: Lydia (Kristen Stewart) liest ihrer Mutter Alice, gespielt von Julianne Moore, eine kryptische Textpassage (den »Ozone«-Monolog) vor und stellt ihr dann eine Frage:
Lydia Howland: [reading to her mother, but mostly from memory] »Night flight to San Francisco chase the moon across America. God, it’s been years since I was on a plane. When we hit 35,000 feet, we’ll have reached the tropopause, the great elt of calm air. As close to the ozone as I’ll get, I - I dreamed we were there. The plane leapt the tropopause, the safe air, and attained the outer rim, the ozone, which was ragged and torn, patches of it threadbare as old cheesecloth, and that was… frightening.«
Lydia Howland: »But I saw something only I could see because of my astonishing ability to see such things. Souls were rising, from the earth far below, souls of the dead, of people who’s perished from famine, from war, from the plague… And they floated up, like skydivers in reverse, limbs all akimbo, wheeling, spinning. And the souls of these departed joined hands, clasped ankles and formed a web, a great net of souls. And the souls were three-atom oxygen molecules of the stuff of ozone and the outer rim absorbed them, and was repaired. Because nothing is lost forever. In this world, there a kind of painful progress. A longing for what we’ve left behind, and dreaming ahead. At least I think that’s so.«
Lydia Howland: [moving over alongside her mother] Hey. Did you like that. What I jest read, did you like it?
Dr. Alice Howland: [barely grunting]
Lydia Howland: And what… What was it about?
Dr. Alice Howland: Love. Yeah, love.
Lydia Howland: Yeah, it was about love.
Adam Gwon hat mit »All the World’s a Stage« ein Kammermusical für vier Schauspieler:innen geschrieben, das früher vielleicht eine Chance auf eine Wien-Premiere gehabt hätte. Das Vienna Theatre Project hat Gwons Show »Ordinary Days« 2012 als Österreichische Erstaufführung gebracht. Man erinnert sich. 2012, das war die Zeit, als sich einerseits ein Schatten über die Wiener Musicallandschaft gelegt hat, der bis heute wirkt, andererseits hat sich aber mit Musicalprojekten wie jenen des Vienna Theatre Project, aber auch jenen von Vienna’s English Theatre, des Theaters in der Josefstadt und natürlich mit den Produktionen des Landestheaters Linz die Musicaldepression im Rahmen gehalten.
Die Cast-CD zu »All the World’s a Stage« ist dieser Tage digital erschienen. Gratis zu hören und sehr empfehlenswert.

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Cast CD auf diversen Streamingplattformen

VBW: Verdrängen, vergessen, löschen

Wer über vergangene Musical-Produktionen (vor 2018) der VBW Details erfahren wollte, wurde im Archiv auf der Website des Unternehmens fündig. Bis vor gar nicht allzu langer Zeit. Das ist nun nicht mehr möglich. Man kann sich zwar mittels der Waybackmachine die Infos zum Teil holen, freilich ist das eine recht mühsame Angelegenheit. Diese Löschaktion ist bedauernswert, denn einen BroadwayWorld Austria Award für das weltbeste Musicalarchiv in Ostösterreich wird’s so nicht geben. Oder sagen wir: nicht so leicht. Man braucht Fantasie.
Für einige jüngere Produktionen bietet die Website VBW International Infos. Interessant dabei: Alle Beteiligten werden angegeben, nur eine Gruppe nicht: die Darsteller:innen. Denen ist es aber eh vielleicht lieber, wenn sie mit Shows wie »Schikaneder« oder »Don Camillo und Peppone« nicht mehr in Verbindung gebracht werden.
Für die Selbstdarstellung eines Unternehmens wäre ein Archiv nicht schlecht. Vielleicht etwas für die nächste Intendanz. Oder es kommt sogar früher zu einem Relaunch.
PS:
Ein Beispiel für die Angaben auf VBW International.
https://www.vbw-international.at/home/schikaneder

Zemann, Setz, Hirschl und der »Bored Gay Werewolf«

Barbara Zeman und Clemens Setz sind für ihren Podcast »Erster Österreichischer Sachbuchpreis« diesmal bei Elias Hirschl zu Gast und schaun sich an, was sich so in seinem Buchregal findet.

Zum Beispiel: »Bored Gay Werewolf«, ein Buch, das an Chuck Palahniuks »Fight Club« erinnert und nicht zuletzt eine Satire auf die »Bro«-Kultur ist. Eine recht witzige Kurzfassung des Inhalts:
»Brian, an aimless slacker in his twenties, has been struggling to manage his transition to adulthood almost as much as his monthly transitions to a werewolf. Really, he’s not great at the whole werewolf thing, and his recent murderous snaccidents have got his best friends Nik and Darby suspicious, and caught the attention of Tyler, a hot were-entrepreneur with a start-up idea for the mythological wellness market. Tyler wants Brian to be part of his vision, but as the two get closer – and Brian drifts further from his friends – it becomes clear that Tyler’s plans are much more nefarious than a little lupine enlightenment.«

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Tony Santorella

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Am interessantesten sind immer wieder die kleinen Abschweifungen der Autor:innen in ihrem Podcast. Diesmal wird zum Beispiel ein YouTube-Channel erwähnt, in dem die schlimmsten nuklearen Unfälle aufbereitet werden.

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Nukleare Unfälle


Erwähnt wird auch das »Evangelienbuch« von Ottfried von Weißenburg aus dem Jahr 870, in dem sich das Wort »horngibruader« (Bruderschaft vom Horn) findet. Eigentlich bezeichnet es Leprakranke, die ihr Erscheinen mit einem Glöckchen, einer Klapper oder eben mit einem Horn (Instrument) ankündigen mussten. Interessant ist das unter anderem auch deshalb, weil im berühmten Grimm‑Wörterbuch („Deutsches Wörterbuch“), herausgegeben von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, für diesen Begriff eine völlig falsche Bedeutung vermerkt ist: »eine art mönche«.

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Evengelienbuch


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Podcast von Zeman & Setz

Stadttheater Walfischgasse 2026

Die groß angekündigte »neue Ära« des Stadtheaters Walfischgasse scheint auch schon wieder vorbei zu sein. André Hellers Show »Remassuri« ist an diesem Standort abgespielt und absolviert jetzt einige Gastspiele, unter anderem im Wiener Prater im sogenannten Spiegelpalast (eigentlich ein Zelt, in dem Toni Mörwalds Fressshows über den Teller gehen). Das Stadttheater Walfischgasse ist wieder a Leich, aber das passt ins Themenuniversum Hellers ganz gut. Wenn sich dann der Baumeister (dessen Namen man nicht nennen muss), der der Staatsoper einen wahren Palast gebaut hat (NEST) als Sponsor dereinst mal verabschieden sollte, könnte die Staatsoper mit ihrem Programm für Kinder vielleicht wieder ins ehemalige Nest, das Stadttheater Walfischgasse, zurückkehren (das sie 2015 bis 2020 gemietet hatte). Was dann aus dem NEST wird?

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Stadttheater Walfischgasse

Schütze Public Results: Theater im Prater und VBW

Schütze Public Results ist eine führende Wiener PR-Agentur für Wirtschafts-, Krisen- und Öffentlichkeitsarbeit mit über 30 Mitarbeitern und mehr als 70 Großkunden. Auf dem Kultursektor stechen im Moment zwei Kunden hervor: die VBW und ATG Entertainment.
Seit 2023 betreut Schütze Public Results den PR-Etat der Vereinigten Bühnen Wien (VBW). Was ATG betrifft, schreibt das Unternehmen auf Instagram: »Wir freuen uns sehr, das ›Theater im Prater‹ kommunikativ begleiten zu dürfen – von der Organisation des Pressefrühstücks bis zur laufenden Medienarbeit rund um den Bau des neuen Musicalhauses.«
Der Geschäftsführer der Agentur ist Gregor Schütze, stellvertretender Vorsitzender des ORF-Stiftungsrats und Sprecher der ÖVP-Freundeskreises.

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Pressefrühstück Theater im Prater
VBW-Etatgewinn für Schütze Public Results

Liza Minnelli »Kids, Wait Till You Hear This!« (2026)

In 1979, when I performed at Carnegie Hall the first time, I sang »Some People« from »Gypsy«. At the end of the track, I accidentally paraphrased a line from the middle of the song instead of the final line, »But not Rose.« I was a little bit mixed up that night. Unfortunately, Sondheim was offended. He held up the release of my »Live at Carnegie Hall« album for almost a year, and by that time the thunder over the live recording had diminished. I wasn’t able to start selling the recording at my shows until a long time after it should have been released. The irony is that, after the album was eventually released on CD, we discovered that another recording of my performance from another night existed, where I sang the line correctly. Remember, I had paid for this recording out of my own pocket. I had no record label at the time. It was a onetime event, and it should have been a routine courtesy. One artist to another. Not a big deal. But Sondheim said no.
I’d go on to perform and record a few of his songs in the coming years. Those he liked. Still, I never forgot what he put me through. When he heard my take of »Losing My Mind« with the Pet Shop Boys, he didn’t particularly like it. He always wanted songs he wrote performed exactly as he wrote them. However, there’s some legal mishmash that says after a song has been recorded, anyone has the right to record and release it if you maintain the melody and lyrics. It’s compulsory. So Mr. Sondheim couldn’t put me through hell this time. Years later, I’m still cashing royalty checks for »Losing My Mind.« And so is his estate.

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